Psychologische
Lebensberatung
Dipl.-Päd.
Jürgen Bendszus, Heilpraktiker für Psychotherapie
| Themen sind:
wichtige sexuelle
Probleme, Schwierigkeiten, und ihre Ursachen - Beispiele aus der
Therapiepraxis,
Selbstwertgefühl,
Selbstvertrauen und ihre Bedeutung für die sexuelle
Zufriedenheit,
Unbewusste Ängste erkennen und
überwinden,
Medizinische, organische
und psychologische Ursachen für Orgasmusprobleme und andere
sexuelle Funktionsstörungen,
Therapie sexueller
Probleme, Störungen -
Sexualberatung.
Was steckt hinter sexueller
Untreue und Fremdgehen?
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| Der Sexualforscher Alfred Kinsey wurde vor
über einem halben Jahrhundert berühmt, als er mit Mitteln
der Sozialforschung herausfinden wollte: Wie und wie
oft und mit wem treiben es die Leute wirklich? Kinsey war
überzeugt, dass unser Sexualleben intensiver sein sollte.
Der tägliche Orgasmus sollte doch dem gesunden Mann möglich
sein, wie er meinte.
Viele Männer, die ihre sexuelle
Performance mit diesem Maßstab verglichen, reagierten
irritiert, schockiert und gekränkt. Ihre Angst, im Bereich
der Sexualität nicht attraktiv genug und
leistungsfähig zu sein, wurde noch durch die immer
anspruchsvolleren Frauen verstärkt. Heute wünschen sich
immer mehr Frauen sexuelle Leidenschaft. Der Fortbestand
einer Beziehung hängt immer weniger von den Kindern
oder den wirtschaftlichen Verhältnissen ab. Für den Bestand
einer Beziehung ist die emotionale und sexuelle
Zufriedenheit wichtiger als noch vor Jahrzehnten.
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Viele Menschen gehen das Risiko eines Seitensprungs
ein, wenn sie damit der sexuellen Lustlosigkeit entfliehen können.
Der Preis für den sexuellen Seitensprung ist meist hoch. Tiefe
Kränkung und Verletzung des Betrogenen sind die Folge. Am Ende
stehen oft Verbitterung und Einsamkeit.
Wenn Sie sich
daher ein dauerhaftes sexuelles Glück in der Partnerschaft wünschen,
macht es mehr Sinn, sich innerhalb Ihrer Beziehung um die Belebung
Ihrer Sexualität zu bemühen. Sexuelle Schwierigkeiten sollten
innerhalb der Beziehung bearbeitet werden, anstatt dass Sie vor den
Problemen flüchten. Das erfordert Mut und Ehrlichkeit, auch
die Bereitschaft, sich auf etwas Psychologie und
Persönlichkeitsentwicklung einzulassen. Diese Website möchte Ihnen
mit Beispielen aus der Praxis der Sexualtherapie und
wissenschaftlichen Erkenntnissen dabei helfen.
Alle Fallbeispiele haben einen realen Hintergrund, aber Namen und
Details wurden so verändert, dass Sie mit mit Sicherheit niemand
wiedererkennen können.
Fallbeispiel:
Sich anvertrauen, um dann fallen
gelassen zu werden?
In einer therapeutischen Gruppe
erzählte Pia von ihren Problemen, beim Akt selbst keinen Orgasmus zu
bekommen (aufgezeichnet von Irmgard Hülsemann, Literaturliste
unten): Kurz bevor der Höhepunkt eigentlich
kommen sollte, streichle ich mich selbst und komme so zum Orgasmus.
Ich brauche überhaupt viel Anlaufzeit, wenn es um Sexualität geht.
In der Woche ist es ziemlich selten, dass Paul und ich zusammen
schlafen. Wenn wir Ferien haben und viel entspannter sind, findet es
auch öfter statt. Früher war es mein Anspruch, ohne direktes
Streicheln zum Höhepunkt zu kommen. Paul meinte, dass er es als eine
starke Anspannung von uns beiden erlebt, wenn wir wie das Kaninchen
auf die Schlange Orgasmus starren. Das brachte uns auch gar nichts
und ich fühlte mich sehr angespannt.
In der therapeutischen
Gruppe kamen Pia wichtige Erkenntnisse, warum sie beim Sex zu
angespannt war und sich nur selten völlig hingeben und vergessen
konnte. Der Schlüssel ihrer Probleme lag in ihren frühen kindlichen
Erfahrungen in der Familie. Sie erinnerte sich, dass ihre Mutter
einmal beiläufig erwähnte, dass sie mit Säuglingen und Kleinkindern
wenig anzufangen weiß, weil die ständig von einem etwas wollen und
erst von einem späteren Zeitpunkt an brauchbar sind. In ihrem
Elternhaus erlebte Pia, dass sich die Eltern amüsieren und
unterhalten wollen, das Genießen z. B. beim Essen und Trinken
spielte eine große Rolle. Wenn Pia einmal weinte und Sorgen hatte,
wurde das von der Mutter als Belastung erlebt. Inmitten der Familie
fühlte Pia sich einsam und hing ihren Phantasien nach. Ihre
Sehnsucht nach Nähe und Umsorgwerden wurde weder von der Mutter noch
von irgendeinem anderen Familienmitglied erfüllt. Pia musste als
Kind auf vertrauensvolle und abhängige Nähe und Zuneigung
verzichten. Irgendwann zog sie sich mit ihren kindlichen
Bedürfnissen nach Abhängigkeit und Nähe zurück. In ihrer unbewussten
Seele bildete sich der ihr lange verborgen gebliebene Leitsatz:
"Wenn ich mich anderen Menschen anvertraue, werde ich nur
enttäuscht. Ich darf mich eben nur auf mich verlassen."
In ihrem Elternhaus bekam Pia dann Anerkennung, wenn sie sich
vernünftig und unkompliziert verhielt und ihre Probleme selbständig
löste.
Als Pia älter
geworden war, hatte sie zwar Freunde, aber wirkliche Nähe und
Abhängigkeit ließ sie nicht zu, um nicht enttäuscht zu werden.
Besonders von Männern wollte sie nie abhängig werden, zu mal ihre
Mutter ihr gesagt hatte, dass man von Männern sexuell abhängig
werden kann. Pia sagte von sich:
Beziehungen, die länger als drei Monate dauerten, habe ich nie
ausgehalten. Das war die Schallgrenze, an der ich nicht mehr weiter
wollte und einen Krach anfing, bis es wirklich nicht mehr ging. Über
Jahre hatte ich zwei oder drei Freunde gleichzeitig, um nicht von
einem einzigen Mann abhängig zu werden.
| Distanzierte und
wechselnde Beziehungen halfen ihr, die Angst einzudämmen,
die ersehnte Nähe führe doch wieder zu schmerzlichen
Enttäuschungen. In ihrer Beziehung zu Paul war es so, als
wären ihre Seelen durch einen feinen unsichtbaren
Schleier voneinander getrennt.
Kein Wunder, dass Pia sich
aufgrund ihrer unbewussten Angst vor Nähe auch beim Sex nur
selten voll auslieferte und hingab und ihr sexuelles
Erregungsniveau durch diese innere Barriere nur selten die
Orgasmusschwelle erreichte.
Was Pia in der Therapie lernen
musste: Das Risiko des Vertrauens einzugehen, auch wenn es
keine Garantie dafür gibt, dass man nicht irgendwann
enttäuscht wird.
In ihrem Fall konnte es die
Hoffnung geben, dass sich mit zunehmender Dauer ihrer
Beziehung sehr langsam ein stärkeres Band des Vertrauens
zwischen Pia und Paul aufbauen konnte. |
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Fallbeispiel: Erektionsprobleme
- zu kleiner Penis?
Herr W. , ca. 55 Jahre alt, ein attraktiver frühpensionierter
Sportlehrer, suchte bei mir Rat, weil es beim Sex mit seiner ein
paar Jahre jüngeren Partnerin zeitweilig nicht mehr richtig klappte.
Er hatte Potenz- und Erektionsprobleme.
Vor einiger Zeit hatte er sich mit Partnerin gestritten. Im
Streit warf sie ihm vor, er habe einen viel zu kleinen Penis, um sie
im Bett wirklich zu befriedigen. Durch diese Worte war Herr W. tief
verletzt. Seitdem kam es immer wieder zu Erektionsproblemen bei Sex.
Die verletzten Worte der Partnerin gingen
Herrn W. nicht mehr aus dem Kopf, er musste zwanghaft immer wieder
daran denken. Auch dann, wenn das Paar miteinander Sex haben wollte.
Manchmal ging es gut. Aber immer öfter kam das Gefühl der Verletzung
wieder hoch. Dann ließ die Erektion nach. Seine Partnerin war selbst
unglücklich über ihre verletzenden Worte. Sie fühlte sich schuldig.
Aber das änderte nichts daran, dass Herr W. immer wieder an seinen
möglicherweise zu kleinen Penis dachte, sich unzulänglich und
verletzt fühlte.
Warum konnte Herr W. die verletzenden Worte so schlecht verarbeiten!
Ich hatte zwei Hypothesen, die ich ihm auch erklärte und die im
Beratungsgespräch von ihm als zutreffend bestätigt wurden.
1. Hypothese: Das Selbstwertgefühl und die
Identität
von Herrn W. hingen zu sehr von seinem Körper, seiner körperlichen
Attraktivität und seiner körperlichen und sexuellen
Leistungsfähigkeit ab. Herr W. konnte dem Gedanken zustimmen,
dass er das Spektrum seiner Werte und Interessen und erweitern
müsste und der Wert eines Menschen nicht allein von seiner sexuellen
Leistungsfähigkeit abhängt. Von der Fixierung auf den Sex als
höchsten Lebensinhalt müsste er sich lösen.
2. Hypothese: Herr W.
war in der Beziehung zu Frauen zu sehr um Harmonie bemüht.
Konflikten ging er aus dem Weg, Aggressionen unterdrückte er und
richtete sie gegen sich selbst.
Tatsächlich war Herr W. sehr beeindruckt von der Erkenntnis, dass er
sich zwar im Sport als ehemaliger erfolgreicher Sportler immer sehr
gut aggressiv durchsetzen konnte. Im Gegensatz dazu fürchtete er in
seinen Beziehungen zu Frauen die aggressive Auseinandersetzung. Sein
Konfliktsstil war der innere Rückzug "ins Schneckenhaus", der innere
Groll. Er neigte dazu, nachtragend zu sein. So konnte er auch die
verletzenden Worte "Du hast einen zu kleinen Penis" selbst beim Sex
nicht vergessen. Hätte er sich gegenüber seiner Partnerin sofort
gegen diese Demütigung zur Wehr gesetzt, wäre es zu einer
emotionalen Entlastung gekommen. Mein Rat an ihn war: im
Alltagsleben mit der Partnerin ehrlicher umgehen und durchaus auch
einmal Wut zulassen. So könnte er auch wieder Zugang zu seiner
sexuellen Energie finden. Viele Paare müssen den Umgang mit
Aggressionen in kleinen Schritten lange üben, was häufig nicht ohne
eine Paartherapie gelingt. Auch für Herrn W. bedeutete dies, dass er
nun mit therapeutischer Hilfe lernen musste, dass Aggressionen eine
Beziehung nicht zerstören müssen, sondern zum Leben gehören.
Mehr zu den Details und Hintergründen zu diesem
Fallbeispiel auf der Seite
Sexuelle Probleme
Fallbeispiel:
Konflikte beim Sex - Maria genießt das Vorspiel, John genießt den
Vollzug
John und Maria begaben
sich in die Therapie, weil sie scheinbar kein Verlangen mehr nach
Sex hatte. Es Koitus kam.stellte sich dann aber in den
Sitzungen heraus, dass Maria Sex durch mochte, nur nicht so, wie es
mit John ablief. Es störte sie seit langem, dass John oft zu früh an
ihrem Genital manipulierte, bevor für sie der richtige Zeitpunkt
dazu gekommen war. Sie fühlte sich unter Zeitdruck gesetzt und
fühlte sich missbraucht. John fühlte sich zurückgewiesen und
gekränkt, wenn Maria seine Hand wegschob. Er wurde wütend und sagte,
dass andere Frauen immer mit ihm zufrieden gewesen seien. Um sich
selbst zu helfen, hatte das Paar einen psychologischen Ratgeber
gelesen. Danach sollte die Partnerin dem Partner ihre Wünsche
mitteilen. Maria wünschte sich eine längeres Vorspiel und zeigte
John, wie sie berührt werden wollte. Er folgte auch ihren Wünschen -
aber leider nur mechanisch. Er klinkte sich seelisch beim Vorspiel
aus, war nicht wirklich bei der Sache. Dafür schaltete Maria
innerlich ab und zeigte keine Leidenschaft, wenn es zum
(Fallbeispiel aus D. Schnarch, S. 234 ff.,
siehe Literaturliste!)
Mehr zu den Details und Hintergründen zu diesem Fallbeispiel auf
der Seite Sexuelle
Probleme !
Es gab zwei Schlüssel zur Lösung der sexuellen
Schwierigkeiten von Maria und John. Der eine Schlüssel lag in Johns
Persönlichkeit. Er hatte nur ein geringes Selbstwertgefühl.
Weil Johns Selbstwertgefühl sehr von seinem sexuellen Erfolg bei
Maria abhing, konnte er mit ihrer verständlichen Kritik an seinem
sexuellen Stil schlecht umgehen. Er war beim Sex zu sehr auf
Bestätigung aus. Leider war er - anders als Maria - zu sehr auf die
Genitalien fixiert. Zu Marias erotischer Welt, die den ganzen Körper
umfasste, hatte er noch zu wenig Zugang. Somit war der
sexuelle Misserfolg Johns nur die Konsequenz. John musste lernen,
auch außerhalb des sexuellen Lebens mehr innere Sicherheit und
Selbstvertrauen und mehr Unabhängigkeit von den Reaktionen seiner
Partnerin zu erreichen. Würde er mehr Selbstwertgefühl erreichen und
weniger abhängig von Marias Lob und Bestätigung werden, wäre er bei
sexuellen Zurückweisungen gelassener. Diese Gelassenheit könnte es
ihm erleichtern, sich auf Marias erotischen Wünsche mehr
einzulassen. Ihr Sex wäre entspannter, farbiger und
lustvoller.
Der andere Schlüssel lag in Marias
Persönlichkeit. Einerseits sehnte sie sich nach inniger emotionaler
Verbundenheit mit John und wollte dieses Gefühl der Verbundenheit
beim sexuellen Vorspiel intensiv erleben. Andererseits entstand dann
in ihr die unbewusste Angst, sich an John auszuliefern und die
Kontrolle zu verlieren. Um sich emotional abzugrenzen, nahm sie
sich daher beim Sex zurück und frustrierte somit John durch ihre
geringe Leidenschaft. Auch Maria musste bereit sein, den Weg der
Persönlichkeitsentwicklung zu gehen. Ihr Ziel: Ein tieferes,
stärkeres Gefühl des inneren Haltes, der inneren Freiheit, der
Selbststeuerung und Autonomie entwickeln, um beim Sex mehr loslassen
zu können.
Eine solche Stärke der Persönlichkeit
muss auch außerhalb des Bereiches der Sexualität im alltäglichen
Leben aufgebaut und erlebt werden. Das geht nicht ohne mühsame
und schmerzhafte Abgrenzung vom Partner und die Auflösung
seelischer Verschmelzung und Symbiose. Am Anfang einer Beziehung
sind Partner häufig seelisch verschmolzen und symbiotisch verbunden.
Sie erleben sich nicht als starke, unabhängige, eigenständige
Persönlichkeiten, sondern sie fühlen sich sehr abhängig. Beide
Partner müssen in einer längeren Beziehung eine eigenständige
Individualität und Unabhängigkeit aufbauen. Dann fühlt man sich auch
in der Sexualität gegenüber dem Partner stark und frei und muss sich
nicht ängstlich um Kontrolle oder um Bestätigung bemühen. Die
sexuelle Toleranz gegenüber Ungeschicklichkeiten des Partner oder
ungewohnten Wünschen wird größer, die ganze Situation entspannter.
Der bekannte amerikanische Sexualtherapeut David Schnarch
nennt diesen Weg der Persönlichkeitsentwicklung die
Differenzierung.
Medizinische,
organische und psychologische Ursachen für Orgasmusprobleme
und andere sexuelle Funktionsstörungen
Sexuelle Funktionsstörungen wie Orgasmusprobleme oder
Erektionsprobleme haben nicht nur psychische Ursachen, sondern
es müssen auch organische Ursachen und Erkrankungen in Betracht
gezogen werden. Die folgende Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht:
|
Organische Ursachen und Erkrankungen |
Psychologische Ursachen : |
| Neurologische Störungen |
Erschöpfung und Stress |
| Gefäßerkrankungen |
Konflikte in der Partnerschaft und seelische
Verletzungen |
| Hormonelle Störungen |
Konflikte am Arbeitsplatz |
| Infektionen |
depressive Verstimmung |
| Alkoholismus |
Erwartungsangst, Leistungsdruck beim Sex |
| Drogen, Medikamente |
Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls |
| organisch bedingte Depressionen |
Angst vor Kontrollverlust |
| Diabetes mellitus |
Traumatische Erfahrungen wie sexueller
Missbrauch in der Kindheit |
Auf diesen Webseiten werden im Schwerpunkt die
Hintergründe seelisch verursachter sexueller Schwierigkeiten
dargestellt, in der Fachsprache: funktionelle Sexualstörungen.
Eine systematische Darstellung der verschiedenen Formen seelisch
verursachter sexueller Probleme finden Sie auf der Seite
funktionelle Sexualstörungen !
Was steckt hinter sexueller
Untreue und Fremdgehen?
Bislang galt es als Privileg der
Männer, in einer Außenbeziehung die Wünsche zu befriedigen, die von
der eigenen Frau nicht erfüllt wurden. Doch in der heutigen Zeit
holen sich auch immer mehr Frauen in der Außenbeziehung das, was der
eigene Mann ihnen vorenthält. Warum gehen Liebespartner fremd?
|
|
Das Zusammenleben in einer
dauerhaften Partnerschaft ist der Entfaltung der Sexualität
nicht förderlich. Die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs
sinkt mit der Länge der Beziehung, in den ersten 5 Jahren
durchschnittlich auf die Hälfte des Anfangsniveaus. (J.
Willi, Seite 88. Siehe Literaturliste am Ende!) Alltägliche
Sorgen, Existenzsorgen, Arbeitslosigkeit, Stress und
Erschöpfung durch den Beruf und vor allem Kinder erweisen
sich als Lustkiller. Mit den Jahren kann die erotische
Anziehung verloren gehen. - Auch zu viel Nähe und
Vertrautheit zwischen einem Paar kann die sexuelle Spannung
aufheben. Unter diesen Voraussetzungen steigt die
Bereitschaft, sich auf einer Party oder beim Betriebsausflug
auf ein erotisches Abenteuer einzulassen, um erneut die
intensiven Emotionen zu erleben, die am Anfang mit der
eigenen Frau oder dem eigenen Mann erlebt wurden. Mit
Fremden, die man nicht liebt und nicht lieben will, und in
der Anonymität können manche Menschen mehr die Leidenschaft
des Nehmens und Genommenwerdens erfahren als mit dem
vertrauten Partner. - Der sexuelle Rausch kann auch ein
Flucht aus der Enge und den Sorgen des Alltags sein und wie
eine Droge wirken, leider auch mit den unerwünschten
Nebenwirkungen.- Paare in der Lebensmitte erleben oft
ein Vakuum an Lebenssinn. Frauen erleben, dass sie
von ihren Kindern und ihrer Familie immer weniger gebraucht
werden. Sie spüren häufig immer weniger Sinn im Leben. Sie
fragen sich dann, ob sie wohl mit vielleicht 40 Jahren noch
für einen anderen Mann attraktiv sein könnten. - Männer
können sich im mittleren Alter meist nicht mehr beruflich
weiterentwickeln und verwirklichen. Sie erleben Stagnation.
Verlockend ist es für sie, sich als Ersatz im Bereich der
sexuellen Beziehungen zu verwirklichen und dort
Selbstbestätigung zu finden. Viele möchten in der
midlifecrisis mit ca. 45 Jahren, wenn die Grenzen der
persönlichen Leistungsfähigkeit und persönlichen
Möglichkeiten immer deutlicher werden, noch einmal ihre
erotische Potenz und Männlichkeit unter Beweis stellen. So
hat das sexuelle Abenteuer deshalb für viele einen solchen
Reiz, weil es neue Erlebnisse und Kicks verspricht, weil es
das Selbstwertgefühl aufzubauen verspricht und Menschen in
Sex und Erotik der Monotonie und Sinnleere des Alltags
entfliehen können. |
Sexuelle Untreue findet man häufig
auch bei Menschen, die den Wert von Treue und Verantwortlichkeit
noch nicht erkannt haben. Diese oft noch unreifen Menschen müssen
durch Leidensdruck und Leiderfahrung erst noch lernen, dass
Treue und Verantwortlichkeit nicht leere moralische Formeln sind,
sondern die Bedingung für dauerhaftes Glück in einer Paarbeziehung
sind. - Besonders Personen mit einer narzisstischen
Persönlichkeit können leicht untreu werden. Der Narzisst/die
Narzisstin ist in sich selbst verliert und braucht immer
wieder Fremdbestätigung. Er/sie kann sich nicht gut in andere
Menschen einfühlen. Viele Sexkontakte können diesen Menschen der
narzisstischen Selbstaufwertung dienen. Diese Menschen spüren häufig
nicht, was sie durch sexuelle Untreue an fremden Leid verursachen.
Fallbeispiel zum Thema Untreue und
Selbstwertgefühl: Ich habe ein
Ehepaar therapeutisch begleitet, das Kinder hatte und schon zwanzig
Jahre zusammen war. Der Mann war aus irgendeinem Grund seit zwei
Jahren in eine depressive Krise hineingeraten und nahm seine Frau
kaum wahr. Die Frau fühlte sich aber schon viele Jahre davor
unverstanden. Sie hatte ein Pferd, das sie liebte und mit dem sie
viel Zeit verbrachte. Mit Unverständnis stand er der Tierliebe
seiner Frau gegenüber, was sie sehr verletzte. In der Zeit seiner
depressiven Phase übte er viel Kritik an seiner Partnerin und
verfiel zeitweilig der Spielsucht mit seinem Computer. Die Frau litt
sehr unter seiner mangelnden Beachtung und Wertschätzung. Kein
Wunder, dass sie sich am Ende auch im Bett zurückzog. Sie war
berufstätig und wurde einmal von ihrer Firma auf ein
Weiterbildungsseminar geschickt. Am Abend beim Glas Wein
lernte sie einen anderen Kollegen kennen, der auch in der Firma,
aber in einer anderen Stadt arbeitete. Mit ihm konnte sie über
vieles sprechen, so dass sie sich nicht mehr einsam fühlte. Der
sensible, freundliche und zugewandte Charakter dieses Kollegen und
seine große Wertschätzung für sie als Frau faszinierte sie. Ihr
Selbstwertgefühl stieg. Auch nach dem Seminar blieben blieben
beide übers Handy in Kontakt und trafen sich sogar ein einziges Mal
- heimlich. Ihr Mann entdeckte die sich anbahnende Beziehung, als er
sich einmal die Handynummern seiner Frau ansah. Er tobte vor
Eifersucht. Die Frau merkte, dass ihr Mann sie doch noch sehr
liebte, auch wenn sie es in den vergangen Jahren kaum gespürt hatte.
Zum Glück war es bislang zu keinem sexuellen Kontakt mit dem
Kollegen gekommen, wie sie mir als Therapeuten in einem
Einzelgespräch versicherte. Ich glaubte ihr. Mehrere Monate
arbeitete ich mit dem Paar an den Kommunikationsdefiziten.
Erstaunlicherweise riss das drohende Scheitern der Beziehung den
Mann aus seiner depressiven Verstimmung. Er kämpfte nun um seine
Frau. Seine wichtigste Einsicht, die die Beziehung rettete: Er
musste sich viel mehr Zeit für seine Partnerin nehmen, mehr Anteil
an ihren Interessen nehmen, Anteil an ihrer Tierliebe nehmen und ihr
gegenüber viel mehr Wertschätzung entgegenbringen.
Machen Sie mit im
Forum! Vielleicht gibt es dort Antworten für Ihre Fragen!
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Literaturhinweise zur Vertiefung der Thematik:
David Schnarch: Die Psychologie sexueller
Leidenschaft
Jürg Willi: Psychologie der Liebe
Irmgard Hülsemann: Berührungen. Gespräche über
Sexualität und Lebensgeschichte
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Dipl.-Päd.
Jürgen Bendszus, Heilpraktiker für Psychotherapie
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