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eine erprobte Technik es ist wirklich vollbracht!

 
Selbstwertgefühl  - Selbstvertrauen aufbauen

 Teil II


Gründe für geringes Selbstwertgefühl -  Selbstsicherheitstraining

Fortsetzung von Teil I

Verschiedene Strategien führen zu einem wachsenden Selbstwertgefühl und zunehmender Selbstsicherheit: Gemeinsam gehen die verschiedenen Methoden zur Verbesserung des Selbstwertgefühls von dieser Voraussetzung aus: Die Vorstellungen, die wir uns von uns selbst machen, unser Selbstbild, sind keine Tatsachen. Unser Selbstbild ist sehr subjektiv und gibt uns ein täuschendes, verzerrtes Bild von unserer Person, von unserer Lebensgeschichte und den für uns wichtigen Menschen. Wenn uns unser Selbstbild also zum Beispiel sagt: "Du bist ein Versager" oder "noch niemals hat es ein Mensch gut mit Dir gemeint" kann das ein sehr trügerisches Bild sein. D. h. das Bild von uns selbst ist kein "wahres" Abbild von unserer Person, ein anderer Mensch könnte uns ganz anders bewerten und wegen unserer Fähigkeiten und unseres Lebens beneiden.

Die verschieden psychologischen Strategien wollen daher den Umgang mit dem trügerischen Selbstbild verändern: Ein Ansatz der Tiefenpsychologie ist, dass wir unser Leben besser verstehen, es aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, so dass wir schließlich freundlicher, versöhnlicher und bejahender mit uns umgehen können.  

1. Tiefenpsychologische Strategie: Wenn wir unsere Lebensgeschichte, unser Gewordensein besser verstehen, werden wir unser Leben besser annehmen können, so wie es ist. Wir werden unsere Person, besonders unsere Grenzen besser annehmen können. Wenn es uns gelingt, unsere Kindheit besser zu verstehen, das Verhalten und die Motive unserer Eltern besser verstehen, werden wir unsere Eltern und damit uns selbst besser annehmen können. Hierzu kann uns gute Literatur helfen. Oftmals ist aber die Hilfe, das Wissen und die Erfahrung eines professionellen Beraters und Therapeuten erforderlich, um vergangene Demütigungen verarbeiten und schmerzhafte Einsichten aushalten zu können. Aus der Sicht der Logotherapie ist es wichtig, einen Sinnfaden in der eigenen Lebensgeschichte zu entdecken und sich mit den schmerzhaften Lebenserfahrungen und den Menschen, die uns verletzt haben, zu versöhnen.

Beispiel: Julian, 20 Jahre, litt sehr unter der Schüchternheit gegenüber Frauen. Er wünschte sich sehr eine Freundin. Aber er traute sich nicht, Mädchen anzusprechen oder über ein Datingportal im Internet ein Date zu planen. In der Therapie fragte er sich, woher seine Unsicherheit stammte. Zusammen mit dem Therapeuten setzte er sich mit seiner Familie und den Eltern auseinander. Julian hatte als Kind immer die zärtliche Berührung durch die Mutter vermisst. Auch fehlten der Trost und die Ermutigung, wenn er Sorgen hatte. Der Therapeut ließ sich von Julian noch andere mütterliche Merkmale und Verhaltensweisen beschreiben. Der Therapeut erklärte ihm, dass das Verhalten der Mutter auf chronische Depressionen schließen ließen. Julian verstand, dass seine Mutter aufgrund ihrer Krankheit viel zu wenig Kraft besaß, um Julian, ihren Sohn, in schwierigen Lebenssituationen, etwa bei Schulproblemen oder Streit mit anderen Kindern, zu unterstützen und Mut zu machen. Der Therapeut erklärte ihm, dass Kinder von depressiven Eltern häüfig unter einem geringen Selbstwertgefühl litten. Julian konnte langsam verstehen, warum die Mutter ihr Kind mit seinen Sorgen oft allein ließ. Es war nicht fehlende Liebe, sondern die mütterliche Depressivität der Grund, warum ihm die Mutter zu wenig Zuwendung und Zärtlichkeit geben konnte. Julian konnte die Mutter, seine Vergangenheit, seine Familie und sich selbst durch diese Erkenntnis besser annehmen. Gestärkt durch weitere therapeutische Selbstsicherheitstrainings wurde er bald gegenüber Frauen viel sicherer.

2. Strategie der Kognitiven Verhaltenstherapie: Die schädlichen inneren Dialoge, Selbstgespräche und Glaubenssätze müssen erkannt und verändert werden. Denn in den negativen Glaubenssätzen bilden wir die Wirklichkeit und die eigene Person verzerrt ab. Beispiel: Eine attraktive Jugendliche kann nicht glauben, dass sie mit ihrem Körper zufrieden sein könnte. Sie nimmt ihren Körper als zu dick und unansehnlich wahr und leidet darunter. Sie vergleicht sich mit den Idealschönheiten der Werbung und unbewusst kritisiert sie sich selbst ständig. Deshalb will sie immer mehr abnehmen.

Man könnte diesem Mädchen helfen, wenn man seine kritischen Selbstabwertungen  immer wieder infrage stellt, bis sich ein der Wirklichkeit angemessenes Selbstbild aufbaut.

Seine negativen Selbstgespräche müssen durch positive, selbstbejahende innere Dialoge nach und nach ersetzt werden.
Beispiel für positive innere Selbstgespräche: Mein Körpergewicht entspricht dem Durchschnitt, was ein Blick auf die Waage beweist... In der letzten Woche bin ich zweimal von Jungen eingeladen worden. Darauf kann ich stolz sein ...Ich kann mich auf mich und meine Begabungen verlassen, denn eigentlich habe ich doch immer alle Probleme gelöst ... Ich kann mich auf meine Freunde verlassen ... wenn ich in Not bin, steht mir meine beste Freundin zur Seite ... Eigentlich habe ich die meisten Lehrer auf meiner Seite usw.

Da die tiefsten negativen Glaubenssätze häufig unbewusst verborgen sind und sich im Laufe vieler Jahre gebildet haben, sind sie zu festen  Überzeugungen geworden. Sie können oftmals nur mit professioneller therapeutischer Hilfe aufgedeckt und dann durch spezifische Gesprächsstrategien des Helfers und weitere verhaltenstherapeutische Methoden verändert werden.

Neue Erfahrungen und Erfolgserlebnisse verändern das Selbstbild:  Es ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der Verhaltenstherapie, dass Einsichten und Wissen über psychologische Zusammenhänge allein noch nicht zu mehr Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit führen. Die Versuche, allein durch positive Selbstgespräche oder positive Affirmationen mehr Selbstwertgefühl zu erreichen, misslingen in der Regel. Was hilft denn? Menschen müssen ihre Rechte, Stärken und Begabungen im wirklichen Leben tatsächlich durchsetzen, leben und verwirklichen -  und das jeden Tag immer wieder. Wer unter einem geringen Selbstwertgefühl leidet, braucht positive Rückmeldungen und die Ermutigung durch andere Menschen. Das führt zur Korrektur negativer Glaubenssätze und stärkt das Selbstwertgefühl. Dieses führt dann zu mehr selbstsicherem äußeren Verhalten. Wichtig sind Menschen, die uns echte Wertschätzung entgegenbringen. Wir brauchen Menschen, die uns nicht allein wegen unseres äußeren Erscheinung, der erotischen Anziehung, unseres Geldes, unserer Bildung oder unserer vorgespielten Rolle und Maske schätzen. Wir brauchen Menschen, die uns so akzeptieren und lieben, wie wir sind, wenn alle Rollen und Masken abgelegt sind. Ein Liebespartner hat hier einen wichtigen Einfluss, im guten wie im schlechten Sinne. Es ist das größte Glück und eine tiefe Sehnsucht, eine Partnerin zu haben, die mich mit allen meinen Schwächen trotzdem so akzeptiert wie ich bin. Umgekehrt ist es für das Selbstwertgefühl sehr kränkend, wenn wir  von geliebten Menschen verlasssen werden.

Auch in jeder Psychotherapie spielt die Wertschätzung durch einen Therapeuten oder eine Therapeutin, der/die den Klienten voll und ganz akzeptiert, die entscheidende Rolle, ohne die alle anderen Methoden wirkungslos sind. In der psychologischen Beratung oder Verhaltenstherapie werden dann in einem Klima der Wertschätzung zunächst in Rollenspielen und anderen Übungen neue Verhaltensweisen in einem Schutzraum erprobt. Zum Beispiel: Ein Angestellter übt, wie er in sprachlich angemessener Form gegenüber seinem Chef den Anspruch auf angemessenen Freizeitausgleich anmelden kann. Dann werden die neuen Verhaltensweisen unter "Life"-Bedingungen im wirklichen Leben erprobt. Eine Portion Mut ist erforderlich! Die neuen Erfahrungen und Reaktionen der Bezugspersonen werden anschließend ausgewertet. An den neuen Verhaltenszügen wird so lange herumgefeilt, bis sie der eigenen Person und der Situation angemessen sind und im Kontakt mit anderen Menschen ein Gefühl der Zufriedenheit und Sicherheit erreicht ist. Eine der wichtigsten Erfahrungen: Wer Mut zeigt, seine Rechte und Bedürfnisse zum Beispiel am Arbeitsplatz anmeldet, erlebt meist keine Katastrophen, sondern erwirbt Achtung und Respekt.

4 Säulen des Selbstwertgefühls

In der wissenschaftlichen Psychotherapie (nach Potreck-Rose und Jacob, siehe Literatur unten) sprechen wir davon, dass das Selbstwertgefühl (oder synonym der Selbstwert) auf 4 unabhängigen Säulen steht:

1. Selbstvertrauen und Selbstsicherheit

2. Selbstakzeptanz

3. Soziales Netz

4. Soziale Kompetenz

 

Die vier Säulen des Selbstwertgefühls zeigen uns: Ein gutes Selbstwertgefühl können wir uns nicht einfach durch positives Denken, positive Selbstaffirmationen und Selbstgespräche einreden. Die Beziehungen zu anderen Menschen sind wichtig! Die engsten Bezugspersonen unserer frühen Kindheit haben schon bedeutsam unser Selbstwertgefühl beeinflusst, der Einfluss anderer Menschen bleibt auch in späteren Jahren bestehen. Viele gute Freunde in einem sozialen Netz fördern das Selbstwertgefühl. In diesem sozialen Netz brauchen wir jedoch soziale Kompetenz, insbesondere Kommunikationsfertigkeiten. Hierzu gehören sprachliche und nonverbale Ausdrucksfertigkeiten. Diese kann man trainieren. Tanz oder Theaterspiel sind z. B. hervorragende Möglichkeiten, die persönliche Ausdrucksstärke und das Selbstwertgefühl zu steigern. Wie wir in der ersten Säule sehen: das Wissen, etwas gut zu können, steigert das Selbstwertgefühl. Vieles kann man trainieren: Ich kenne Jugendliche, die sind hervorragende Kletterer oder Sportler. Andere lernen Musikinstrumente und haben in Bands viele positive Selbstwert-Erfahrungen. Immer ist diese Erfahrung für das Selbstwertgefühl wichtig: Ich bin mit meiner Persönlichkeit und meinen Fähigkeiten bei anderen Menschen akzeptiert und willkommen.

Wann hat ein Mensch genügend Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit erreicht?

Wenn er/sie sich nicht mehr von anderen Menschen verletzen lässt, sei es in der Partnerbeziehung, unter Freunden oder am Arbeitsplatz - wenn er/sie Konflikten mit anderen Menschen nicht mehr ausweichen muss - wenn er/sie "nein" sagen kann - wenn er/sie Lob annehmen kann und auch andere loben kann - wenn er/sie zu persönlichen Fehlern stehen und sich entschuldigen kann - wenn er/sie Forderungen stellen kann, ohne anmaßend zu sein - wenn er/sie nicht mehr so abhängig von oberflächlichen Werten ist wie: materiellen Gütern, körperlicher Attraktivität oder gesellschaftlichem Status ...

Narzissmus und übersteigertes Selbstwertgefühl

Im übrigen kann auch ein zu starkes Selbstwertgefühl seine Schattenseiten haben: Es kann narzisstische Züge annehmen und am Arbeitsplatz oder in der Partnerschaft zu Beziehungsstörungen führen. Narzissten fühlen sich stark und sehen nur ihre eigenen Bedürfnisse. Ihnen fehlt die Empathie, die Fähigkeit, sich in die Bedürfnisse und Gefühle anderer hineinzuversetzen. Niemand ist aber gern mit einem Menschen zusammen, der sich ständig als überlegen darstellt. Kritik, Spott oder Widerspruch werten narzistische Selbstwertstarke schnell als persönlichen Angriff und wehren sich aggressiv dagegen. Wenn Narzissten andere verletzen, können sie das kaum einsehen. Im Arbeitsleben versteckt sich der Narzissmus häufig hinter großem Ehrgeiz und einer übermäßigen Wettbewerbsmotivation.

Wenn eine Frau ohne Selbstwertgefühl einen Liebespartner-Partner mit narzisstischen und egoistischen Zügen hat, ist das zukünftige Unglück häufig schon vorhersehbar. Ich habe über ein Jahr eine zwanzigjährige Klientin begleitet, die unglücklich in einen jungen türkischen Mann verliebt war. Sie war von seiner Attraktivität und scheinbaren starken Selbstsicherheit fasziniert. Dieser Türke kam und ging und schlief mit ihr, wenn er es wollte. Er war ein richtiger Macho, für den Frauen zu den Menschen zweiter Klasse gehörten. Oft sagte er verletzende Worte zu meiner Klientin. Er war wohl auch untreu und hatte zu anderen jugendlichen Mädchen Kontakte. Er schien mit ihren Gefühlen zu spielen. - Ich riet der jungen Frau, sich von diesem jungen Mann zu trennen, um wieder ein freieres Leben führen zu können. Aber lange Zeit fühlte sich meine Klientin nicht stark genug, sich gegen die seelischen Verletzungen zu wehren und eine endgültige Trennung zu vollziehen. - In meinem Buch über Sehnsüchte, Ängste und Wege zum Sinn, habe ich die psychologischen Mechanismen, die hier eine Rolle spielen, an einem Fallbeispiel näher beschrieben.

Vielleicht sind Narzissten nur in ihrer äußeren Maske so selbstsicher, aber im tieferen Kern ihrer Person in Wahrheit unsichere Menschen. Narzissmus also als Überkompensation einer tieferen Unsicherheit. Wie auch immer es sein mag, aus meiner Sicht ist die Zahl der narzistischen Menschen, denen es allein um ihre eigene Autonomie und Selbstverwirklichung geht, in den letzten Jahren gestiegen. Warum? Es gibt viele Gründe hierfür, die wichtigsten Gründe finden wir in den frühkindlichen Erfahrungen:

... Wenn immer mehr Familien zerbrechen, wenn es normal ist, nur noch  von "Lebensabschnittspartnerschaften auszugehen, wenn Partnerwechsel und Untreue normal werden und Eltern zu egoistischen selbstverliebten Vorbildern werden

... wenn Kinder in den Patchworkfamilien hin- und hergerissen werden und wenig festen Halt in sicheren Beziehungen haben

... wenn Kinder zu wenig Grenzen erfahren, verwöhnt oder vernachlässigt werden und sich Eltern viel zu sehr mit sich selbst beschäftigen

... wenn das Vertrauen in Partnerschaften und Familien und zuverlässige Beziehungen immer mehr untergraben wird

... wenn die "Selbstverwirklichung" , die Selbstbehauptung des eigenen "Ego" zur Spitze der gesellschaftlichen Wertepyramide gehört

dann wundert es nicht, wenn sich immer mehr Kinder zu ichbezogenen, narzisstischen Einzelkämpfern entwickeln.

              Lies auch:

 Selbstwertgefühl  - Selbstvertrauen aufbauen
 Teil I

 

Literatur zur Vertiefung: 

- Zeitschrift Psychologie heute, April 2005 

-  Friederike Potreck-Rose/Gitta Jacob: Selbstzuwendung, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen. Psychotherapeutische Interventionen zum Aufbau von Selbstwertgefühl, 4. Aufl. 2007 (Klett-Cotta Verlag)  

-  Verena Kast: Trotz allem Ich. Gefühle des Selbstwerts und die Erfahrung von Identität, 2003 (Herder Verlag)

- Jürgen Bendszus: Von Sehnsüchten, Ängsten und Wegen zum Sinn. Einführung in die sinnorientierte Psychologie, 2016. eBook

 

© 2016 Jürgen Bendszus, Dipl.-Pädagoge, berechtigt zur Psychotherapie (HPG)

 

 

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