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Beziehungsprobleme

in Partnerschaft und Liebe
Gründe von Trennung - Bedürfnisse und Sehnsüchte - das Leiden in der Beziehung - wie helfen Therapeuten?

gelingendesleben.de

von Dipl.-Päd. J. Bendszus

HP für Psychotherapie

 

 

 

Themen sind:

Welche Beziehungsprobleme spielen in der heutige Zeit eine große Rolle? 

Welches sind die zentralen Bedürfnisse und Sehnsüchte in der Liebesbeziehung? 

Welche Verhaltensweisen und Persönlichkeitszüge bedrohen oder zerstören die Partnerbeziehung?

Häufige Trennungsgründe

Liebeskummer

Wie können Therapeuten helfen?

Wie können wir lieben lernen?


Beziehungsprobleme in der heutigen Zeit

Beziehungsprobleme sind ein großes gesellschaftliches Problem. Wir sehen es schon an den amtlichen Statistiken:

Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2017 in Deutschland 153 500 Ehen geschieden.(siehe Literaturliste unten!) Die meisten der 2017 geschiedenen Ehen wurden nach einer vorherigen Trennungszeit von einem Jahr geschieden. Etwa die Hälfte der geschiedenen Ehepaare hatte minderjährige Kinder. Die Ehefrauen stellten 51,5 % der Scheidungsanträge. Sie waren bei der Scheidung im Jahr 2017 durchschnittlich 43 Jahre und 9 Monate alt. Ihre Partner waren mit 46 Jahren und 10 Monaten durchschnittlich 3 Jahre älter. Das Statistische Bundesamt erfasst nur die gesetzlich geschiedenen Ehen. Die Anzahl der Trennungen nicht verheirateter Paare ist um ein Vielfaches höher und kann gar nicht erfasst werden.

Beziehungsprobleme, Liebeskummer und Trennungskrisen zählen zu denjenigen Problemen, denen die meisten Menschen zunächst einmal hilflos gegenüberstehen. In Beziehungskrisen können wir von schmerzhaften Gefühlen überwältigt sein: von Enttäuschung, von Wut über das verletzte Vertrauen, von Angst vor dem Zusammenbrechen einer gemeinsamen Welt und dem Fall ins Nichts. Viele Menschen in einer Beziehungskrise können nicht verstehen, wie sich der andere Partner so verändern konnte. Am Anfang der Beziehung war er der liebevollste Mensch. Doch jetzt? Wie wenig Verständnis, Empathie und Zuneigung zeigt er/sie nun! Wo sind seine oder ihre Gefühle hin?

Häufig spürt ein Paar, das in einer Beziehungskrise steckt, dass irgendetwas nicht mehr stimmt. Aber was? Oftmals versucht dann einer der Partner, die Beziehung zu retten. Aber an wen kann man sich wenden? Es ist schwierig, mit Freunden darüber zu reden. Vielleicht auch in vielen Fällen nicht ratsam! Weil Freunde die Probleme durch eine bestimmte Brille der Befangenheit oder Oberflächlichkeit sehen und oft die tieferen Hintergründe genauso wenig wie das Paar selbst verstehen.

Eine professionelle Paarberatung ist in vielen Fällen zu empfehlen. Aber der Therapeut und das Paar haben nur dann eine Chance, wenn zwischen der Partnerin und dem Partner noch genügend Wertschätzung und Liebe vorhanden sind. Und wenn beide Partner bereit sind, ehrlich zu sein, um über alle unerfüllten Erwartungen, Bedürfnisse, aber auch gegenseitige Verletzungen zu sprechen.

Wenig Chancen auf Heilung einer Beziehung gibt es, wenn ein Partner oder eine Partnerin ganz plötzlich auszieht - und schon einen neuen Liebespartner gefunden hat! Der oder die Verlassene erlebt es als schlimmen Verrat.

Das Selbstwertgefühl ist tief verletzt.

Das Vertrauen in andere Menschen erfährt einen Bruch - so als wenn eine schöne geliebte Vase auf die Erde fällt und zerbricht. Kann man das noch reparieren?
Ob man in eine solche unglückliche Lage gerät, hängt gar nicht vom Einkommen oder gesellschaftlichen Status ab. Auch nicht von Schönheit und Attraktivität. In diesen Wochen wurde wieder von der Trennung eines deutschen "Traumpaares" berichtet. Sie ist eine der weltweit bestverdienenden Sängerinnen. Er ein beliebter Showmaster und Moderator in den Schlager-Shows des deutschen Fernsehens.

Glück oder Unglück in der Liebe hängt auch nicht vom Bildungsgrad und Wissen ab. Vor einigen Jahren suchte mich einmal eine Psychologieprofessorin in der Beratungspraxis auf. Sie war von ihrem Mann nach 8-jähriger Ehe ohne Angabe von Gründen plötzlich verlassen wurden. Ihr ganzes psychogisches Wissen hatte sie vor diesem Alptraum nicht bewahren können. Nun saß sie mir gegenüber. Sprachlos, mit eingefallener Körperhaltung, den Kopf auf den Boden gerichtet. Sie war völlig orientierungslos!

Die vielfältigen Erscheinungsformen von Beziehungsproblemen

Die Formen und Ursachen von Beziehungskrisen sind vielfältig. Hier sind nur einige wenige Beispiele, mit denen wir es als Therapeuten häufig zu tun haben: (Alle Namen und  Details verändert!)

  • "Mein Freund ruft immer die Sex-Hotline an" - Julia fühlt sich von ihrem Freund betrogen, weil er heimlich Sexnummern anruft. Sie hat auch die von ihm aufgerufenen Internetseitenverfolgt und ist auf Porno-Seiten gestoßen. Sie fühlt sich mies. Soll sie das dulden?
  • Eifersucht auf die Vergangenheit - Susanne ist mit Martin seit 10 Jahren zusammen. Susanne: "Martin ist eifersüchtig auf meine vergangenen sexuellen Beziehungen, obwohl alles längst vorbei ist. Manchmal bohrt er in meiner Vergangenheit herum, und dann erlebe ich eine emotionale Hölle."
  • Timo fragt: "Wie kann ich mit dem aggressiven Verhalten meiner Frau nach der Trennung umgehen?"
  • "Mein Mann will nur Sex und redet nicht mit mir" - Marlies, 40 Jahre alt und Mutter von 2 jugendlichen Kindern, fühlt sich mehr und mehr von ihrem Mann entfremdet. "Er geht zuwenig auf meine Gefühle ein. Unsere Beziehung stagniert. Die Gefühle trocknen aus."
  • Eine Frau, Ende zwanzig, beklagte, dass sie mit einem Mann zusammen gelebt hatte, der immer wieder seine Arbeitsstellen verloren hatte und schließlich nur noch passiv und depressiv in der Wohnung verbrachte: „Er schlief sehr viel. Und eines Tages konnte ich dieses Schlafen einfach nicht mehr ertragen. Eines Abends ging ich aus, und als ich zurückkam, war er noch nicht einmal in der Lage gewesen, aufzustehen und die Kinder ins Bett zu bringen. Ich war weggegangen, während sie vor dem Fernseher saßen, und da saßen sie immer noch, als ich wiederkam. Am nächsten Tag forderte ich ihn auf auszuziehen, nachdrücklich.“
  • Benjamin ist seit langem mit Claudia zusammen. Für welche Frau soll er sich entscheiden? Claudia ist ein zuverlässiger, ruhiger Typ. Benjamin: "Vor einigen Monaten habe ich mich in eine andere, temperamentvolle Frau verliebt. Sexuell habe ich noch nie solche intensiven Gefühle erlebt. Claudia hat von der Beziehung erfahren und drängt auf eine Entscheidung. Ich fürchte, dass ich über alles die Kontrolle verliere und alles zusammenbricht."
  • "Darf ein Bisexueller eine Familie gründen?" - In einer Mail berichtete Günther mir, dass er seit 8 Jahren weiß, dass er bisexuell ist. "Jetzt habe ich zu einer Frau eine gute Beziehung. Eigentlich wünsche ich mir Kinder und eine Familie. Aber ich habe Angst, dass vielleicht später die Sehnsucht nach einem Mann wieder stärker wird. Diese Angst lähmt die Beziehung zu meiner Partnerin."
  • "Warum kann ich mit meinem Freund keine gemeinsame Zukunft planen?" - Das war die Frage einer 24-jährigen Auszubildenden, die ich als Berater viele Monate begleitet hatte. Ihr Freund konnte die Nähe nicht aushalten. Immer, wenn die Beziehung harmonisch war und das Paar sich sehr nahe gekommen war, provozierte der Freund "wie aus heiterem Himmel" einen Streit und das Paar sah sich Tage, manchmal Wochen nicht mehr.
  • "Wie kann ich meine quälenden Schuldgefühle loswerden, dass ich unsere Ehe hätte retten können?" Das fragte mich eine kinderlose ratsuchende Frau, die von Ihrem Mann nach langer Ehe wegen einer anderen verlassen worden war.
  • Phillip ist der Dating-App "Tinder" verfallen. Er braucht immer wieder neue Dating-Partnerinnen und Tinder hilft ihm dabei. An manchen Wochenenden hat er 2 oder 3 Kontakte gleichzeitig. Jedes "Match" ist ein Kick für sein Ego, sein Selbstwertgefühl. Er wählt die Partnerinnen allein nach ihrem Äußern aus. Man glaubt es kaum: In wenigen Monaten hat er mit über 100 Frauen geschlafen! (vgl. Michael Nast, "Generation Beziehungsunfähig", S. 35 ff., siehe Literaturliste unten!) - Phillip berauscht sich an den Möglichkeiten, die Tinder bietet. Aber er ist ein Getriebener mit dem Drang nach immer neuen Kicks. Diese Sucht frisst seine Seele auf. Seine tiefere Sehnsucht nach erfüllter Liebe und Beziehung kann so niemals erfüllt werden.

Warum ist dieser Mann trotz der vielen Kontakte noch keine feste Beziehung eingegangen? Aus psychologischer Sicht kann man vermuten, dass der tiefere Grund für Phillips suchtartiges Beziehungs-Verhalten in einer unbewussten Angst vor Nähe liegt. Der häufige Sex mit immer anderen Frauen verdeckt nur, dass er zu wirklicher dauerhafter intimer Nähe und Beziehung gar nicht fähig ist.

Bedürfnisse und Sehnsüchte

In Wahrheit ist der hier am Beispiel eines Tinder-Nutzers beschriebene Beziehungsstil für die wenigsten Menschen erstrebenswert.

Was wünschen sich die meisten Menschen von der Partnerschaft, welche Bedürfnisse haben sie?

Jürg Willi, weltweit anerkannter Paartherapeut, sagt: "Es gibt eine Sehnsucht nach Bindung, nach Nähe und Zärtlichkeit, nach stabiler Zweisamkeit. Ehe und Familie gelten wieder als Hort der Geborgenheit" (Psychologie der Liebe,  siehe Literaturliste) Menschen möchten in der Beziehung Sicherheit und Verlässlichkeit erleben. Sie möchten Erotik und andere intime Sehnsüchte ausleben. Sie möchten in ihrem Selbstwertgefühl und ihrer Selbstachtung bestätigt werden. Für die Liebespartner scheinen seelische Bedürfnisse noch wichtiger als die sexuellen Bedürfnisse zu sein. Wir brauchen einen Menschen, der unsere Sorgen versteht.



Wir brauchen einen Menschen, der mit unseren Emotionen mitschwingt und uns stimuliert.

Wir brauchen einen Menschen, der an unserem Streben nach Selbstverwirklichung teilhat und uns ermutigt und bestätigt - einen Menschen, der unsere Visionen teilt.

Wir brauchen jemand, der unsere persönlichen Potentiale, unseren Humor, Witz und unsere Begabungen herausfordert, jemand, der unsere Einzigartigkeit versteht.

Und jeder Liebespartner möchte dem anderen helfen, seine Schwächen zu überwinden.


Viele Liebespartner bauen sich eine gemeinsame Welt auf -  mit Kindern, materiellen Gütern, mit gemeinsamen Freunden, gemeinsamen Zielen und Werten. Das Zerbrechen dieser gemeinsamen Welt führt zu seelischen Schmerzen, schweren Sinnkrisen und häufig psychosomatischen Erkrankungen.

Auch der Psychologieprofessor Josef Christian Aigner stellt fest, dass heranwachsende junge Menschen eher eine dauerhafte romantische Partnerbeziehung bevorzugen. Sexuelle Treue steht wieder hoch im Kurs! Denn in einer kalten, lieblosen, unsicheren und unberechenbaren Welt brauchen Menschen einen Ort, an dem sie Sicherheit, Geborgenheit und Liebe erfahren. Und dieser Ort ist die Partnerschaft und die Familie. Und die meisten Menschen wollen es nicht riskieren, dass dieser Ort durch Untreue und andere Gründe zerstört wird. (J. Ch. Aigner: Vorsicht Sexualität, S. 65 ff., siehe Literaturliste!) - Wie kann man aber die Liebe schützen und bewahren?

Um eine Liebes-Beziehung zu schützen und vor dem Zerbrechen zu bewahren, müssen die Partner in der Lage sein, ihre gegenseitigen Bedürfnisse zu achten und auf die Wünsche des anderen Rücksicht zu nehmen.

Im Alltag einer Beziehung ist es offenbar sehr schwer, dass Liebespartner auf ihre gegenseitigen  Bedürfnisse und Rechte Rücksicht nehmen. Vielfach spüren sie gar nicht tief genug, was der andere braucht, um zufrieden und glücklich zu sein. Am Anfang der Beziehung geben sich die meisten noch Mühe. Doch wenn nach Monaten oder ein bis zwei Jahren die "Schmetterlingsgefühle" im Bauch nicht mehr gespürt werden, lässt die Aufmerksamkeit füreinander nach und Nachlässigkeit zieht in die Beziehung ein. Häufig ist dann nur noch der Sex die Basis für das Zusammenleben. Aber auch Kinder und gemeinsame Güter können eine ausgetrocknete Liebesbeziehung zusammenhalten. Aber wie lange?

Die Gründe für Paar-Konflikte oder sogar das Scheitern einer Liebesbeziehung verstehen wir besser, wenn wir die Kommunikationsprobleme, aber auch die tieferen Hintergründe und Motive für Streit, Konflikte, Rücksichtslosigkeit und Untreue verstehen.

Welche Verhaltensweisen und Persönlichkeitszüge bedrohen und zerstören die Partnerbeziehung? Woran leiden Beziehungspartner ? 

  Häufige Gründe für Beziehungskrisen

1. Fehlendes Selbstwertgefühl eines oder beider Partner - Wir wissen heute  aufgrund therapeutischer Erfahrung und durch die empirische Forschung: Das gute Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen ist der Schlüssel zum Glück - sowohl im Beruf wie auch in der Paarbeziehung und Ehe. Warum denn?

„Selbstbewusste Menschen vertrauen sich dem Partner an und holen sich bei ihm emotionalen Rückhalt, zum Beispiel wenn sie auf der Arbeit Probleme haben oder bei den Kindern etwas nicht rundläuft. In der Partnerschaft sind sie nicht so verletzlich und so fixiert auf Dinge, die schiefgehen können.“  So die Auffassung Psychologen Professor Franz. J. Neyer und Christine Finn. (siehe Literaturliste unten!) Partner ohne Selbstvertrauen geraten dagegen in Konflikten leichter aus der Fassung, fühlen sich in ihrem Selbstwert schneller bedroht und deuten unklare Situationen schneller negativ. Wenn zum Beispiel eine Partnerin auf einer Feier mit einem anderen potentiellen Rivalen ein scheinbar zu langes Gespräch führt oder zu lange tanzt, kann der selbstwertschwache Partner es leicht als Lieblosigkeit deuten oder sogar eifersüchtig werden. Weil Menschen ohne Selbstwertgefühl gerade in solchen Situationen häufig an ihrer eigenen Attraktivität zweifeln. Unsichere Partner suchen beim anderen häufig in übertriebener Weise Bestätigung oder ziehen sich in schwierigen Situationen vorschnell vom anderen zurück. Das kann Konflikte verschärfen und für die Beziehung zur Belastung werden.

2. Unterschiedliche emotionale und geistige Entwicklungsstufen der Persönlichkeiten. Beispiel: In der heutigen Zeit sind Frauen ihren männlichen Partnern häufig in ihrer emotionalen Entwicklung voraus und haben mehr Zugang zu ihren Gefühlen. Männer entwerten häufig das Gefühlsleben und haben für ihre Gefühle keine Worte. Probleme werden oft mit einem Bier heruntergespült. Während Frauen untereinander über soziale Beziehungen und Gefühle sprechen, reden Männer häufig über Sport, Politik, Autos und technische Probleme. Diese unterschiedlichen persönlichen Stile und Interessen beeinträchtigen eine gemeinsame Kommunikationsbasis und führen langfristig zu Unzufriedenheit mit der Beziehung.

3. Machtkämpfe und ungleiche Verteilung von Macht und Einfluss in der Beziehung

Machtkämpfe nehmen in unserer Zeit zu, weil in unserer Gesellschaft die Rolle des Mannes immer mehr in Frage gestellt wird und Frauen sich immer selbstbewusster und emanzipierter geben. Schwierig kann es zu Beispiel in einer Beziehung werden, wenn die Frau eine höhere berufliche Funktion und Bildung als ihr Mann erreicht hat und sich der Mann in seinem Selbstwertgefühl bedroht fühlt. Dann kann es geschehen, dass der Mann seine Frau in viele kleine Alltagskonflikte hineinzieht, um wenigstens zu Hause und in der Familie seine Überlegenheit zu beweisen. 

4. Unfähigkeit eines Partners, die Bedürfnisse und Gefühle des anderen zu spüren - Auf der Web-Seite lieben lernen finden Sie mehr zu diesem Thema!

5. Narzisstische und egoistische Persönlichkeit eines Partners - In unserer Gesellschaft ist Selbstverwirklichung ein hoher Wert. Viele Menschen missverstehen aber die Selbstverwirklichung und sehen nur noch ihr eigenes Glück. Eine übersteigerte Selbstverwirklichung wird zum Egoismus.  Dieser Egoismus kann sich noch mehr steigern und zum Narzissmus und zur Ich-Sucht und zum Ich-Kult werden. Narzisstische Menschen sind selbstverliebt. Ihre Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Bedürfnisse und Gefühle anderer Menschen hineinzuversetzen, ist sehr begrenzt. Auf die Dauer hält es keine Liebesbeziehung aus, wenn ein Partner nur an sich selbst denkt. Ichbezogene, selbstverliebte Menschen flüchten aus einer Beziehung, wenn es nicht mehr so gut läuft. Sie flüchten vor den Konflikten und Krisen, die keiner Beziehung erspart bleiben. Warum denn? Weil sie fürchten, dass ihre Person infrage gestellt und Verhaltensänderungen gefordert werden könnten. Diese Menschen haben die Illusion, dass Liebe und eine dauerhafte Beziehung ohne Leiden möglich sind. Die narzisstischen Menschen erleben Konflikte und Leiden als Beeinträchtigung ihrer Selbstverwirklichung und ihres Glückes. Mühsame Beziehungsarbeit ist ihnen zu anstrengend. Narzissten übersehen, dass auch sie andere Menschen brauchen und selbst auch etwas geben müssen.

6. Unverarbeitete, häufig unbewusste seelische Verletzungen aus früheren Beziehungen und der Herkunftsfamilie - Ein extremes Beispiel hierfür ist die Erfahrung eines früheren sexuellen Missbrauches. Eine solche traumatische Erfahrung kann zu einer Beeinträchtigung des emotionalen und sexuellen Erlebens in allen späteren romantischen Beziehungen führen. Hier ist psychotherapeutische Hilfe dringend nötig! Außer diesem Extrembeispiel gibt es viele andere seelische Verletzungen aus früheren Beziehungen, die besonders durch Missbrauch von Vertrauen oder auch durch häufige Demütigungen entstanden sind, die eine gegenwärtige Beziehung belasten können. In einer aktuellen Beziehungskrise werden also die alten, unverarbeiteten seelischen Verletzungen wach gerufen, schüren auf diese Weise die Emotionen und erschweren die Problemlösung.

7. Unbewusste Angst vor der Nähe und Angst vor einer tieferen Bindung an den anderen Partner - Diese Angst führt dazu, dass die Partner in der Tiefe wie durch einen unsichtbaren Vorhang voneinander getrennt sind und das Gefühl einer tiefen seelischen Intimität nicht erleben. Diese Angst vor der Nähe kann mit einem übersteigerten Streben nach Selbstverwirklichung  oder mit der Angst vor Verantwortung zusammenhängen. Die Quellen dieser Angst können aber noch tiefer liegen und dann nur mit professioneller therapeutischer Hilfe aufgedeckt werden. Fallbeispiel: Ein Mann konnte viele Jahre keine richtige Nähe zu seiner Frau zulassen. Er war als Kind sehr vor seiner alleinerziehenden Mutter verwöhnt worden. Es war aber eine besitzergreifende Mutterliebe. Seine Mutter hatte ihn "zum Auffressen gern". Für seine alleinerziehende Mutter war er auch Partnerersatz gewesen. Sein ganzes Leben lebte er mit dem unbewussten Vorsatz, sich von keiner Frau wieder so wie von seiner Mutter festbinden und vereinnahmen zu lassen. Solche  Zusammenhänge werden vielen unglücklichen Paaren häufig erst in der Paartherapie klar.

8. Seelische Erkrankung eines Partners: z. B. Depressionen, Burnout, Ängste, oder Abhängigkeitserkrankungen und Suchten - Ein berühmtes Beispiel finden wir in der Biografie des berühmten Dichters Hermann Hesse. Er trennte sich von seiner seelisch erkrankten Frau, weil er die emotionale Belastung nicht länger ertragen konnte. Die seelische Erkrankung eines Partners, etwa eine Depression, ist deshalb ein großes Risiko für ein Paar, eine Ehe und eine Familie, weil die Krankheit das Gefühlsleben und andere psychische wie körperliche Funktionen gravierend beeinträchtigen kann. Die Patientin kann sich wie gelähmt verhalten und unfähig sein, jegliche Initiative oder Interesse und Zuneigung gegenüber den anderen Familienmitgliedern zu zeigen. Das kann von dem gesünderen Partner irrtümlich auch als Erlöschen der Liebe gedeutet werden. - Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten haben Mediziner und Therapeuten heute vielfältige Möglichkeiten,  seelische Erkrankungen erfolgreich zu therapieren. Darum sollte man in solchen Fällen auf ärztliche und psychotherapeutische Hilfe nicht verzichten, weil dadurch mehr Lebensglück erreicht werden und eine Beziehung und Familie gerettet werden kann.

9. Oberflächliche Einstellungen, Werte und ein oberflächlicher Lebensstil: Bei viellen Menschen zählen allein Lust, Rausch, Genuss und körperliche und sexuelle Attraktivität. Öffentliche Anerkennung ist wichtig. Der Lebensstil der Schönen und Reichen, die als Stars in den Medien auftreten, ist das Vorbild. Wenn in einer Beziehung diese Werte überwiegen, sind Eifersucht und Trennungsangst die Folge.

Denn: Hier sieht der eine Partner/die Partnerin in dem anderen nur ein Objekt, das man austauschen kann, wenn es nicht mehr attraktiv genug ist. Da es potentiell immer noch attraktivere Menschen als die eigene Person geben kann, fürchtet jeder, er/sie könnte verlassen werden, wenn er/sie die Ansprüche des anderen nicht mehr erfüllt. Von dieser Angst profitieren die Kosmetikindustrie und immer mehr die Schönheits-Chirurgie. In einer solchen Beziehung fehlt echte Liebe. 

10. Fremdgehen, Untreue und ein Seitensprung - Die bisher von mir genannten Aspekte von Beziehungskrisen können zu einer tiefen Unzufriedenheit, Entfremdung und dem Wunsch führen, dem Leben eine Wendung zu geben. Bei dieser Motivlage lassen sich viele Menschen zu einem Seitensprung verführen oder suchen aktiv nach einem neuen Partner.

Die seelische Verletzung und Kränkung durch einen Seitensprung, die der betrogene Partner erlebt, wird leider in unserer Gesellschaft meist unterschätzt und verharmlost. Wird diese traumatische Erfahrung nicht aufgearbeitet, stehen am Ende der Beziehung nur noch Enttäuschung, Vertrauensverlust, Wut, Aggressionen und schließlich die Trennung. - Die oder der Betrogene fühlt sich ausgerechnet von dem verraten, für den er zuvor bereit war, sein Innerstes zu öffnen und zu teilen. Die verletzte Seele empfindet: "Ich bin nicht mehr begehrt, also bin ich nichts wert." Das Paar hatte zuvor ein intimes Bündnis geschlossen. Die Partner hatten sich im sexuellen Akt tief verbunden und einzigartige Erfahrungen gemacht. Durch das Fremdgehen eines Partners wird dieses einzigartige Band der Beziehung zerstört. -

Das Fremdgehen kann im Betrogenen Erinnerungen an frühere vergangene Verluste und Trennungen und kindliche Verlassensängste wachrufen. Das Urvertrauen und Lebensgrundvertrauen kann tief erschüttert werden: Wenn nicht einmal mehr der eigene Partner treu und zuverlässig ist - auf welchen Menschen und auf was kann man sich überhaupt noch in dieser Welt verlassen? So wird der Seitensprung zu einer traumatischen Erfahrung für den betrogenen Partner. - Besonders sensibel und traumatisch reagiert ein Partner auf eine Beziehungskrise und Treuelosigkeit, wenn er schon in der Kindheit die Trennung der eigenen Eltern erlebt hatte. Nun werden beim Erwachsenen die tief verborgenen kindlichen Ängste vor der Trennung und die damit verbundene Verzweiflung, aber auch Wut und Aggression, sogar Hass, neu belebt.

11. Unrealistische Sehnsüchte und Lebensträume, zu hohe Erwartungen, die von niemand erfüllt werden können. - Zum Beispiel die Erwartung, die erotische Anziehung in der Partnerschaft müsse immer so stark wie am Anfang sein. In Filmen und Medien wird uns suggeriert, wahres Glück in der Partnerschaft bestehe aus einer dauerhaften Leidenschaftlichkeit besonders auch in der Sexualität. Für viele Menschen entsteht ein Leistungsdruck, in ihrer eigenen Beziehung müsse es genau so intensiv und leidenschaftlich wie in den Filmen zugehen. Wenn das nicht so funktioniert, entstehen Selbstzweifel. Leistungsdruck und Selbstzweifel sind aber für eine gelingende Sexualität sehr störend. Das Spielerische in der Sexualität geht verloren, wenn von außen gesetzte Leistungsnormen erfüllt werden müssen. Wenn dann die Sexualität nicht wie gewünscht funktioniert, wird möglicherweise nach jahrelanger Unzufriedenheit das Glück in einer Außenbeziehung gesucht.

12. Schädliche und starre Kommunikationsmuster wie z. B. häufige Vorwürfe, gegenseitige Verletzungen, sich Anschreien, Gewalt, oder Rückzug. Wenn sich diese Muster der Kommunikation fortdauernd zeigen, ist eine Beziehung in höchstem Maße gefährdet. Dann kann eine Rettung - wenn überhaupt - oftmals nur mit professioneller Hilfe gelingen.

Wie können Berater und Therapeuten helfen?

1. Helfen, die Kommunikation zu verbessern und die Motive zu verstehen

Wenn Partner sich nur noch Vorwürfe machen und häufig aggressiv zueinander sind, kann der Berater helfen, eine günstigere Atmosphäre herzustellen. Er ist dann Kommunikationstrainer. Er hilft, dass jeder Partner die eigenen Bedürfnisse so ausdrückt, dass der andere nicht mit Abwehr oder Rückzug reagieren muss. Voraussetzung für eine gute Kommunikation ist, dass die Liebespartner ihre Verhaltensmotive besser verstehen. Welche Motive stehen hinter einer übermäßigen Reizbarkeit eines Partners? Warum ist meine Partnerin in manchen Situationen so empfindlich? Warum hat sich mein Partner in der letzten Zeit immer mehr zurückgezogen? Aufgabe des Therapeuten ist es, den Liebespartnern zu helfen, ihre Motive besser zu verstehen. Dann wächst gegenseitiges Verständnis und es wird mehr Zufriedenheit erreicht.

2. Helfen, die beste Entscheidung zu treffen

Häufig muss nach einer Zeit der Krise und vielen Verletzungen eine Entscheidung getroffen werden: "Soll ich der Beziehung noch eine Chance geben, oder soll ich mich trennen?" Der gute Therapeut verschreibt auch hier keine Rezepte. Er hilft der Klientin/dem Klienten, selbst den besten Weg zu finden. Klientin und Klient entscheiden sich dann für den besten Weg, wenn sie ihre tieferen Bedürfnisse und Werte kennenlernen. Sie müssen auch den Mut haben, sich für ihre Bedürfnisse und Werte zu entscheiden. 

Damit der Klient sich für den besten Weg entscheidet, stellt der Berater seine menschlichen Erfahrungen und sein psychologisches Fachwissen zur Verfügung.

3. Helfen, Trennungsgründe zu verstehen

Wenn ein Partner verlassen und tief verletzt worden ist, kann er häufig nicht loslassen und quält sich mit der Frage: Warum hat der andere sich nur so verhalten? Die tieferen Hintergründe einer Trennung müssen verstanden werden, damit Trennung und Lebenskrise verarbeitet werden können. Hier kann der Therapeut durch seine menschlichen Erfahrungen, seine Einfühlung und sein Fachwissen helfen, die Persönlichkeit und Motive des anderen (untreuen) Partners bzw. der Partnerin besser zu verstehen. In der Regel haben aber beide Partner ihren Anteil an Entfremdung und Trennung!

4. Helfen, frei für die Zukunft zu werden

Enttäuschung, Wut und Kränkungen müssen verarbeitet werden. Es ist schwer, das alte Leben loszulassen und neue Zukunftsperspektiven zu entdecken. Viele voneinander getrennte Partner erleben nur noch Abneigung, oft sogar Hassgefühle füreinander. So bleibt man aber an die Vergangenheit gebunden. Wenn Kinder da sind, leiden sie manchmal mehr als die Eltern selbst. Oft werden sie von einem Elternteil, meist ist es der Vater, entfremdet. Viele können sich nicht vorstellen, dass Väter sehr leiden und große Sehnsucht nach ihren Kindern haben, wenn diese bei der Ex-Frau leben. Auch wenn man es den Kindern nicht anmerkt - sie haben meist unbewusst eine genauso tiefe Sehnsucht nach beiden Eltern! In diesem Prozess kann der Therapeut dem Klienten beistehen. Das Ziel sollte sein, das Leben so akzeptieren zu können, wie es jetzt ist. Zusammen mit dem Therapeuten kann man nach Perspektiven, neuen Lebenswerten und Zielen und Spielräumen forschen, die das Leben trotz aller Probleme lebenswert machen. Und man muss lernen, Geduld zu haben und auf neues Lebensglück warten können. 

Wollen Sie mehr darüber wissen, wie Sie Ihre Partnerbeziehung und Liebe schützen und verbessern können? Dann lesen Sie weiter auf der Seite Lieben lernen !

Dort erfahren Sie mehr über die

8 "Basics" für eine gelingende Beziehung : 

1. Vorwürfe unterlassen   

2. Stärkendes Zuhören üben und Empathie   

3. Auf Vergeltung verzichten    

4. Mit heißen Themen wie Sex und Geld umgehen lernen  

5. Konflikte lösen     

6. Verhaltenszüge des Partners können Sie ändern, aber nicht seine Persönlichkeit   

7. Die fünf Sprachen der Liebe: Liebe so ausdrücken, dass sie ankommt

8. Sich entschuldigen - vergeben können 


Quellen und Literatur


Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 251 vom 10.07.2018

Psychologie heute, 06/2016: „In Liebe verschränkt.“ Interview mit den Psychologen Prof. Franz Neyer und Christine Finn

Gary Chapman: Die fünf Sprachen der Liebe. Wie Kommunikation in der Ehe gelingt

Michael Nast: Generation Beziehungsunfähig, S. 35 ff.

Patty Howell & Ralph Jones: Der kleine Beziehungstherapeut. Zu zweit lieben lernen

Jürg Willi: Psychologie der Liebe. Persönliche Entwicklung durch Partnerbeziehungen 

Ursel Bucher: Das Geheimnis der Partnerschaft

Josef Christian Aigner: Vorsicht Sexualität! Sexualität in Psychotherapie, Beratung und Pädagogik - eine integrative Perspektive





© 2019 Dipl.-Päd. Jürgen Bendszus, Heilpraktiker für Psychotherapie