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Wie Urvertrauen und Selbstvertrauen entstehen - Erziehungsstile - Ängste werden erlernt -Lebensängste überwinden

 

Ursachen der Angst

und

Angstbewältigung

 von J. Bendszus, Dipl.-Pädagoge,
 
HP für Psychotherapie 

Auf der Seite Angst-Typen haben Sie vielfältige und ganz verschiedene Angstformen kennengelernt. Auf dieser Seite erfahren Sie mehr über die Ursachen, die Hintergründe und Überwindung von übermäßiger Ängstlichkeit und spezifischen Ängsten (Phobien). Wir berücksichtigen die Erkenntnisse der Tiefenpsychologie, der Lernpsychologie und der Logotherapie (sinnorientierten Psychotherapie).

 

 Die Entwicklung übermäßiger Ängstlichkeit in den ersten Lebensjahren - Tiefenpsychologie der Angst

Die ersten drei Lebensjahre sind für die Persönlichkeitsentwicklung und die Neigung zu übermäßiger Ängstlichkeit von besonderer Wichtigkeit. Die Tiefenpsychologin Verena Kast spricht von den frühkindlichen "Prägesituationen" der Angstentwicklung. Was ist damit gemeint?   

In jeder jungen Familie gibt es ein bestimmtes emotionales Klima. Kinder können Sicherheit, Verläßlichkeit und Geborgenheit spüren. Diese emotionalen Erfahrungen fördern in ihrer jungen Persönlichkeit die Entwicklung eines eigenen inneren Sicherheitsgefühls und Urvertrauens. Im Gegenteil hierzu können Kinder auch vernachlässigt werden. Oder von ihnen wird zu früh ein von den Eltern unabhängiges, selbstständiges Verhalten gefordert. Kinder können mit diesen Forderungen überfordert werden, und dieses fördert die Neigung zu übermäßiger Ängstlichkeit.

Diese Erkenntnisse sollen nun näher erklärt werden. Kleine Kinder suchen einerseits noch Schutz und Geborgenheit, meist bei der Mutter (Symbiosestreben). Andererseits will das kleine Ich aber auch früh sein Können beweisen, selbst etwas bewirken, seine Kräfte erproben und entwickeln und die Welt entdecken (Autonomiestreben). Beispiel für eine Prägesituation der Angstentstehung: Der dreijährige Tim will von der Mutter nicht mehr zum Spielplatz begleitet werden, der in Sichtweite der Wohnung liegt. (Autonomiestreben) Wie wird die Mutter reagieren? Wird sie das Kind ängstlich zurückhalten, weil noch eine kaum befahrene Straße der Wohnsiedlung zu überqueren ist oder wird sie seinem Autonomiestreben nachgeben? Wenn Mütter und Väter häufig in solchen kritischen Situationen zu überbehütend sind, können sie ihr Kind in hilfloser Abhängigkeit halten und ihre eigenen Ängste und Befürchtungen auf das Kind übertragen. Diese Kinder werden in späteren Lebensphasen schwierige Lebenssituationen weniger gut meistern und häufiger mit ängstlicher Hilflosigkeit reagieren. Kinder brauchen frühzeitig die Erfahrung, sich selbst in der Welt behaupten zu können. Gleichzeitig brauchen sie die Eltern noch lange Zeit als äußere Helfer und Begleiter, die eingreifen, wenn sich das Kind bedroht und überfordert wird, zum Beispiel beim Streit mit anderen Kindern auf dem Spielplatz. Die Eltern müssen aber allmählich loslassen können. Dann werden die im Hintergrund Schutz bietenden Eltern allmählich zu inneren Begleitern des Kindes verinnerlicht. Die äußeren Elternfiguren werden allmählich als unbewußte, innere Begleiter und Helfer in der Psyche des Kindes repräsentiert. Diese inneren Begleiter sind selbst dann da, wenn die Eltern äußerlich nicht da sind. Weil das Kind in einer späteren Lebensphase über diese Halt gebenden und steuernden inneren Begleiter verfügt, kann es auch neue unvertraute Situationen sicher und ohne übermäßige Angst bewältigen: Zum Beispiel beim Eintritt in die Grundschule und in eine neue Klasse von Kindern. Menschen, die nicht über diese inneren Begleiter ("steuernden Objekte" in der Fachsprache), verfügen, sind übermäßig ängstliche Persönlichkeiten.

Kleine Kinder, die zu früh von den Eltern losgelassen werden in die Selbständigkeit und sich allein und überfordert fühlen, bauen in ihrer Psyche nicht die Halt gebenden inneren Helfer auf. In einem zentralen emotionalen Bereich ihrer Psyche bleibt eine Leerstelle, ein "Loch". In schwierigen Lebenssituationen fehlt ihnen also der innere Halt, sie werden ängstlich die Hilfe anderer Menschen suchen. Natürlich fehlt auch den vernachlässigten Kindern dieser innere Halt. Wenn Eltern zu viele eigene Sorgen haben, zum Beispiel häufig Ehekonflikte austragen, oder wenn sie selber zu Ängstlichkeit neigen und keinen inneren Halt haben, können in der Psyche des Kindes nicht die Sicherheit und Steuerung bietenden inneren Begleiter aufgebaut werden. Diese Kinder werden später zu übermäßiger Ängstlichkeit neigen und wenig Selbstvertrauen haben.

 

Fallbeispiel:  

Die sechsjährige Heide lief schreiend aus dem Kinderzimmer. Sie hatte eine dicke Spinne entdeckt. Aufgeregt bat sie die Mutter, die Spinne totzuschlagen. Die Mutter war genauso aufgeregt wie Heide und zerdrückte die Spinne mit einem Handtuch. Für diesen Nachmittag war Heide beruhigt. Am Abend des folgenden Tages konnte sie aber nicht einschlafen und lauerte ängstlich besorgt, ob sich wieder irgendwo eine Spinne im Raum versteckt hatte. In den folgenden Wochen schlug die Mutter noch mehrmals Spinnen tot, die Heide entdeckt hatte. 

Nach drei Monaten traute Heide sich nicht mehr in ihr Zimmer, sie hatte eine Spinnenphobie entwickelt.

 

 

 

Spezifische Ängste werden erlernt - Wie Phobien entstehen

Vor Spinnen haben viele Menschen Angst und aus der Sicht von Verhaltensforschern ist die Angst vor Spinnen angeboren. Problematisch ist aber eine intensive Angst vor Spinnen, welche das Leben einschränkt. Hatte die Mutter richtig reagiert? Was hätten Sie gemacht? Vom Verhalten der Mutter hatte Heide nur gelernt: Spinnen sind gefährlich, man muß sie totschlagen. Die Mutter hatte die anfänglich vorhandene Angst Heides durch ihre eigene Aufgeregtheit nur verstärkt. Heide vermied danach, Spinnen auch nur anzusehen. Die Spinne mußte also ein angstauslösender Reiz bleiben. Die Mutter hätte anders reagieren können: Sie hätte ruhig bleiben können, die Hand schützend auf Heides Kopf legen können. Sie hätte Heide auffordern können, sich die Spinne einmal in Ruhe anzusehen: Wieviel Arme hat eine Spinne wohl? Sind die Arme stark? Stärker als Heides Arme? Ist so eine Spinne wirklich gefährlich? Heide hätte sich beruhigt. Die Mutter hätte mit Heide auch ein Bild von der Spinne malen können. Dann wäre die Angst vielleicht der Neugier gewichen: Wie entstehen wohl Spinnen, wie lange leben sie? Am Ende wäre Heide vielleicht immer noch ein bißchen vorsichtig gegenüber Spinnen geblieben, aber sie hätte keine Spinnenphobie entwickelt. (Nicht immer sind die Hintergründe einer Spinnenphobie allerdings so einfach wie in diesem Fallbespiel!)

 

 

Ängste können also gelernt, aber auch wieder verlernt werden. Man muß die Angst ein Stück weit zulassen und sich dasjenige genau ansehen, was ängstigt. Dann wird die Angst nachlassen. Dies gilt für Bedrohungen, die von außen kommen. Es gibt jedoch auch unbewußte, vom Innern der eigenen Psyche kommende Bedrohungen, die zu Angst und Abwehr führen. In der tiefenpsychologischen  Psychotherapie der Angst geht es häufig gerade darum, mit diesen unbewußten Bedrohungen - das sind abgelehnte unbewußte Persönlichkeitszüge - vertraut zu werden.

 

Das ängstliche "innere Kind" - tiefenpsychologischer Umgang mit Ängsten

Psychologen haben entdeckt, dass unerklärliche Ängste oft mit dem unbewussten ängstlichen "inneren Kind" zusammenhängen. Was ist das innere Kind? Erwachsene Menschen verhalten sich nicht immer wie Erwachsene, sondern zeigen manchmal kindliche Züge, zum Beispiel wenn sie ärgerlich oder unbeherrscht oder trotzig reagieren. Kindliche Verhaltensweisen, die eigentlich nicht zu einem Erwachsenen passen, beweisen: In unserem ganzen Leben lebt unser unser inneres Kind weiter, das ist die Persönlichkeit, die wir in der Kindheit waren. Das innere Kind beeinflusst unsere Gefühle und unser Erleben, auch das Ausmaß unseres Angsterlebens im Erwachsenenalter. 

Beispiel aus der therapeutischen Praxis: Ein Mann, der meist im Leben gut zurecht kam, reagierte nur in bestimmten Situationen überaus ängstlich. Gegenüber selbstbewussten, wenig einfühlsamen oder rücksichtslosen Menschen konnte er sich nicht durchsetzen. Dann kam er in für ihn unverständliche Unruhezustände und ärgerte sich selbst über seine geringe Durchsetzungsfähigkeit und Ängstlichkeit. Im Therapiegespräch entdeckte er, dass er sich als Fünfjähriger oft hilflos gefühlt hatte. In schwierigen Situationen, wenn er sich anderen gegenüber durchsetzen sollte, fand er wenig Trost und Hilfe bei den Eltern. Wenn er als Erwachsener in solche Situationen kam, wo er sich durchsetzen musste, wurde das innere Kind in ihm ganz wach und lebendig und reagierte mit Angst und Hilflosigkeit. Erst in der Therapie lernte der Mann sein inneres Kind kennen. Vorher wusste er gar nicht, dass es so etwas wie ein inneres Kind gibt.

Die Psychotherapeutin Luise Reddemann beschreibt in ihrem - für Fachleute geschriebenen- Buch "Imagination als heilsame Kraft", wie man therapeutisch mit dem inneren Kind umgehen kann. Imaginationen sind eine hervorragende therapeutische Möglichkeit, das innere Kind kennen zu lernen. Durch Imaginationen kann das eigene innere Kind, wenn es ängstlich und hilflos ist, beruhigt und gestärkt werden. Dieses führt zu mehr Ich-Stärke und emotionaler Sicherheit des erwachsenen Menschen. (Imaginationen sind in der Therapie hervorgerufene innere Bilder des Patienten, die sehr gefühlsbesetzt sind. Es sind die Bilder, die wir auch in unseren Träumen erleben. In der Therapie kann mit diesen "Traumbildern" in heilsamer Weise gearbeitet werden.)

 

Ängste als Sorgen vor dem Verlust von Werten und wie wir sie bewältigen

In meinen Seminaren zur Logotherapie (Logotherapie = sinnorientierte Psychotherapie) waren die Teilnehmer immer von dieser Idee fasziniert: Unser persönliches Leben wird mehr oder weniger  bewußt von Werten, von einer individuellen und einzigartigen Wertestruktur gesteuert. Unsere Lebensängste hängen eng mit unserer persönlichen Wertestruktur zusammen. Bedeutende Lebensängste können nur bewältigt werden, wenn wir unsere persönliche Wertestruktur kennen und an dieser Struktur arbeiten. Ich war in meiner Seminar- und Beratungsarbeit immer wieder erstaunt darüber, dass viele, besonders junge Menschen, ihre persönliche Wertestruktur gar nicht kennen. Bevor wir weiter auf die Lebensängste eingehen, müssen wir zunächst die Frage klären: Was sind Werte? Werte sind das, was unser Leben wertvoll macht. Meine Werte sind das, wofür ich Leben will, woran ich "mein Herz hängen" will. Unsere Triebe, Sexualität und Aggression, treiben uns an. Werte ziehen uns wie Magneten an, geben unserem Leben Richtung, Struktur, Sinn und Identität. In jedem Seminar zur Logotherapie frage ich meine Seminarteilnehmer nach ihren Werten. Dann nennen sie als Werte: Mein Haus, mein Besitz (materielle Werte), Arbeit, sozialen Status, Freundschaft, "meine Familie", Treue, Humor, Verantwortung (soziale Werte), Gesundheit, Intelligenz, Gemütsruhe, gutes Selbstwertgefühl, Naturerleben, Musizieren, "Arbeit in meinem Garten", Liebe, "mein Glaube an Gott" und viele andere Werte. Wenn Menschen keine Werte haben, suchen sie in oberflächlichem Lusterleben, in Sex, gefährlichen Abenteuern, im Extremfall durch Drogen ihr Glück. Langfristig aber bleibt eine innere Leere und in diese Leere können Sorgen, Depressionen und Ängste hineinwuchern.

Weil Menschen wissen, dass  Werte für das Leben existentiell notwendig sind, entwickeln sie in bestimmten Lebenssituationen und Phasen die Angst, diese Werte könnten verloren gehen. Einerseits schützen Werte vor Orientierungslosigkeit, Angst und Depressionen, andererseits können unsere Werte bedroht werden, was Angst erzeugt. Diese Bedrohung von Werten erleben wir besonders in Krisensituationen: wenn die Partnerbeziehung nicht mehr läuft, wenn unsere Kinder krank werden, wenn sie einen Unfall hatten, wenn wir eine schwere Krankheit bewältigen müssen, wenn wir von Arbeitslosigkeit bedroht sind, wenn in zwischenmenschlichen Konflikten unser Selbstwertgefühl und unsere Selbstachtung bedroht ist. Eine zentrale Einsicht ist: Wenn Sie nur über einen oder wenige Werte verfügen, erleben Sie viel mehr Ängste, als wenn Sie über ein Vielfalt von Werten verfügen. Beispiel: Wenn eine alleinerziehende Mutter sich nur mit ihrem Kind identifiziert, das Kind ihr einziger Wert ist, wird sie sich viele Sorgen machen, ihr Kind verlieren zu können. Wenn Sie sich nur mit einem Spitzenwert identifizieren, andere Werte aber wenig Bedeutung haben, besitzen Sie eine pyramidale Wertstruktur. Besonders Erwachsene mit einer pyramidalen Wertestruktur leiden übermäßig an Verlustängsten und Depressionen. Häufig sind es zum Beispiel erfolgreiche Manager, die nur ihre Arbeit und Firma lieben. Darum ist es wichtig, eine eher parallele Wertestruktur aufzubauen. Wenn ein Wert wie die Arbeit bedroht ist, können Sie darauf vertrauen, das andere Werte - zum Beispiel Ihre Partnerbeziehung, Ihre Freunde, Ihr Hobby, Ihre geistigen Kräfte- Ihnen ein weiterhin sinnvolles Leben ermöglichen. 

 

Wir können auch zwischen Werten unterscheiden, die wir leicht verlieren können und eher tragfähigen, unverlierbaren Werten. Ihr Auto können Sie schnell durch einen Unfall verlieren, Ihre Intelligenz, Ihren Einfallsreichtum oder Ihre Fähigkeit zu lieben als bedeutende Werte kann Ihnen niemand nehmen. Darauf sollten Sie vertrauen, das kann Sie in kritischen Lebensphasen gelassen machen! Mich beeindrucken auch Menschen, die sagen, dass Sie sich auf Ihren Glauben, Ihre Liebe zu Gott als einen unverlierbaren religiösen Wert verlassen. Warum sollten diese Menschen übermäßige Angst haben, wenn sie sich auf diesen Wert verlassen können? So konnte der bekannte Theologe Dietrich Bonhoeffer noch im Konzentrationslager im Vertrauen auf seinen Gott das Lied dichten "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag ..." 

Wie können Sie mehr über Ihre persönliche Wertestruktur wissen? Die Beschäftigung mit den eigenen Träumen, aber auch andere Wege führen zur Entdeckung Ihrer wichtigsten  Werte. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Wertestruktur kennenlernen und Ihre tragfähigen Werte entdecken!

 

 

© 2004 Jürgen Bendszus, Dipl.-Pädagoge, berechtigt zur Psychotherapie (HPG)